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Vom Präsenz- zum Online-Trainer

Geschrieben von Vanessa Schäfer | Apr 24, 2020 6:20:31 AM

Welche Anforderungen sollte ein guter Online-Trainer mitbringen?

Die Umrüstung läuft auf Hochtouren: Weiterbildungsanbieter stellen aufgrund der Corona-Krise sukzessive ihre Präsenzkurse auf Online-Kurse um. Was dabei häufig ein wenig aus dem Blickwinkel gerät, ist derjenige, der den Kurs halten soll. Ein guter Präsenz-Trainer ist noch lange kein guter Online-Trainer. Er bringt jedoch bereits die besten Voraussetzungen mit, um mit ein bisschen Übung auch beim Lehren vor der Kamera zu punkten.

Wer online Seminare gibt, muss die Teilnehmer durch sein Auftreten, seine Stimme, seine Worte und Interaktionen weit mehr abholen, als wenn sie zusammen mit ihm im gleichen Raum sitzen. Die Teilnehmer müssen spüren, dass der Leiter des Online-Kurses jetzt LIVE zu ihnen spricht, selbst wenn er physisch nicht anwesend ist. Das ist gar nicht so einfach. Denn im Gegensatz zu Präsenzkursen kann der Trainer wenig anhand der Mimik und Gestik der Teilnehmer ablesen.

Was muss ein Online-Trainer also mitbringen?

Wer an einen Online-Trainer denkt, glaubt in erster Linie, dass er vor allem digitale Kompetenzen mitbringen und technisch fit sein muss. Das ist nicht falsch, aber es gehört noch weit mehr dazu. Es sind sowohl technische als auch methodische und didaktische Fähigkeiten, die im virtuellen Seminarraum gefragt sind. 

Wer im virtuellen Raum Seminare gibt, muss zunächst einmal alle Anforderungen erfüllen, die auch ein Präsenz-Trainer erfüllen muss. Gefragt sind vor allem:

  • Kommunikationsfähigkeit

  • didaktische Fähigkeiten

  • Motivationsfähigkeit

  • rhetorische Fähigkeiten

  • Zeitmanagement

  • Inhaltsexpertise

Selbst, wenn ein Dozent nicht präsent vor Ort ist, sollte er im virtuellen Seminarraum seine Körpersprache einbeziehen, klar und deutlich sprechen sowie richtig betonen, nach Möglichkeit frei sprechen und nicht ablesen sowie Pausen einbauen. Dozenten sollten sich vor der Kamera nicht verstellen, sondern natürlich bleiben.

Und was noch?

Es gibt natürlich ein paar Anforderungen, die bei einem Online-Trainer eine weit größere Rolle spielen als bei einem Präsenz-Trainer. Wir stellen Ihnen die 9 wichtigsten vor:

  1. Improvisationsgeschick
    Gerade im virtuellen Klassenraum läuft häufiger mal etwas außer Plan: Wie reagiere ich, wenn technisch etwas nicht klappt? Was mache ich, wenn ich zwar zur Interaktion anrege, aber keiner mitmacht? Es erfordert Improvisationsgeschick, um auf Unvorhersehbares zu reagieren.

  2. Erfahrungen als Online-Seminar-Teilnehmer
    Wir raten allen Trainern, die ein Online-Seminar geben wollen: Besuchen Sie selbst ein paar Online-Seminare. Was gefällt Ihnen? Was gefällt Ihnen nicht? Was macht in Ihren Augen einen guten und einen schlechten Online-Trainer aus? All das können Sie als Teilnehmer von Online-Seminaren selbst erfahren. Adaptieren Sie das, was Ihnen gefällt. Und machen Sie als Online-Trainer das besser, was Ihnen bei anderen nicht gefällt.

  3. Didaktisch-methodische Kompetenzen
    Um die Teilnehmer eines Online-Seminars bestmöglich abzuholen, kommt es auf didaktisch-methodische Kompetenzen des Trainers an: Welche Methoden und Medien eignen sich, um die Teilnehmer anzusprechen? Wie können die Teilnehmer aktiv im Online-Kurs miteinbezogen werden? Wie lässt sich Motivation und Leistungsbereitschaft erhöhen? Alles, was im virtuellen Seminarraum stattfindet, sollte sich an den Bedarfen und Bedürfnissen der Kursteilnehmer orientieren.

  4. Gute Präsentationstechnik
    Hier kommt es nicht nur auf eine gute Powerpoint an, sondern viel mehr auf die Präsentation des Dozenten vor der Kamera: Tritt er souverän auf? Hat er eine passende Kameraeinstellung gewählt? Passen die Lichtverhältnisse, so dass er weder über- noch unterbelichtet ist? Eignet sich der Hintergrund, um davor zu unterrichten? Weg mit allem, was die Teilnehmer ablenkt.

  5. Spaß an der Sache
    Wenn jemand zähneknirschend ein Online-Seminar hält, wird er das nur schwer überspielen können. Wenn die Begeisterung eines Online-Kurses auf die Teilnehmer überspringen soll, dann muss auch der Dozent dafür brennen. Er muss Spaß daran haben, online zu lehren.

  6. Angenehme Stimme
    Na wer krächzt denn da? Die Stimme eines Online-Trainers ist das A und O. Sie muss angenehm sein, so dass es Spaß macht, ihr zu lauschen. Doch nicht nur auf die Stimme kommt es an, sondern auch auf die Sprechweise. Eine lebhafte Sprechweise lädt zum Zuhören und Interagieren ein. Eine monotone Sprechweise eher zum Abschalten und Einschlafen.

  7. Sympathie
    Ein Online-Trainer muss sympathisch auftreten: Mit Freundlichkeit, Fröhlichkeit und angemessenem Humor kann er die Sympathie der Kursteilnehmer gewinnen.

  8. Technisches Geschick
    Es ist kein Hexenwerk, dennoch gehört etwas technisches Geschick dazu, um einen Online-Kurs zu halten: Der Online-Trainer muss nicht nur die Software beherrschen. Er sollte auch die verschiedenen Werkzeuge bedienen können, die die Software bereithält, etwa den Chat, das Teilen von Umfragen, Screensharing und das Nutzen des virtuellen Whiteboards.

  9. Moderationsfähigkeiten
    Ein guter Online-Trainer ist vor allem ein guter Moderator. Er ist kommunikativ, steuert den Ablauf des Webinars und führt durch das Programm bis hin zum Ziel. Selbst wenn er sein Publikum nicht vor Augen hat, muss er es im Auge behalten und abholen. Er muss in die Teilnehmer hineinspüren können, ob sie gedanklich noch mit dabei oder schon abgedriftet sind. Wichtig ist, permanent den Chat im Auge zu behalten, oder einen Co-Trainer an der Seite zu haben, der ihm diese Aufgabe abnimmt.

 

So können Trainer in den Reaktionen der Teilnehmer lesen:

  • Wie lange dauert es, bis die Teilnehmer auf eine Frage antworten? 

  • Wie aktiv sind die Teilnehmer? 

  • Welche Qualität haben die Reaktionen und Fragen der Teilnehmer?

  • Reagieren alle Teilnehmer oder sind es immer die gleichen?

  • Stellen Sie im Chat oder per Mikrofon Fragen?

 

Folgende interaktive Methoden lassen sich problemlos in einen Online-Kurs einbinden:

  • Teilnehmer nach Meinungen oder Erfahrungen fragen

  • Umfragen streuen, Antworten entweder auf Whiteboard erfassen oder mit Tools wie Mentimeter arbeiten

  • Fragen stellen und Zeit zum Nachdenken und Antworten einräumen

  • Den Teilnehmern die Möglichkeit einräumen, Fragen zu stellen

  • Feedback geben und Feedback einholen

 

Sind Sie und Ihre Trainer bereit für Online-Seminare? Sie werden sehen: Selbst wenn die Hemmschwelle anfangs groß erscheint, so wird sich diese von Online-Kurs zu Online-Kurs legen.